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Beim nächsten Mal wird alles anders

Und wenn man sagt, die Fahrt in einem russischen Nachtzug sei ein Erlebnis der besonderen Art, so können wir das uneingeschränkt unterschreiben. In erster Linie ist es aber ein Geruchserlebnis: 48 Menschen eingepfercht in einem Waggon, der Geruch von Schweiß, Fuß, Bier und allerlei Essen, versehen mit einer Note kalten Rauches ist schon eine (Grenz-)Erfahrung. Ja, Sie lesen richtig: kalter Rauch. In russischen Zügen werden Raucher längst sich so diskriminiert wie bei der Deutschen Bahn. In den Durchgängen zwischen den Waggons ist das Rauchen erlaubt. Und es sind nicht wenige, die diese Freiheit nutzen.

Wie gesagt, die Fahrt in einem russischen Nachtzug ist definitiv ein Erlebnis. Und wir sind grimmig entschlossen, beim nächsten Mal zwar wieder in der Holzklasse zu reisen, dann aber doch lieber mehr in der Mitte und quer zum Gang zu liegen. Man lernt ja dazu. Und was uns an Geruchserlebnissen auf dieser Fahrt geboten wurde, ist wohl nichts im Vergleich zu dem, was uns auf einer mehrtägigen Zugfahrt erwartet. Ohne die Möglichkeit sich zu Duschen oder einmal die hornhautbewehrten Füße zu waschen (was viele unserer Mitreisenden auch vor diesem Trip nicht für nötig hielten). Wir freuen uns schon drauf!

Als wir um fünf Uhr morgens schließlich in Moskau ankamen, hatten wir mit unserer campomaggi tasche sale kaum geschlafen und fühlten uns wie gerädert. Nun galt es lediglich noch eine halbe Stunde in Regen und Kälte auszuharren, bis die Metro öffnete, die uns zu unserem Hostel brachte. Unglückicherweise konnten wir hier erst um 14 Uhr einchecken. Man ließ uns allerdings nur fünf Stunden auf den harten Holzstühlen des Speisesaals warten und erlaubte uns, das Zimmer bereits etwas früher zu beziehen. Wir scheinen äußerst mitleiderregend ausgesehen zu haben, wie wir dort auf unseren Schemeln schliefen…

Das ist doch genau das, was ihr wolltet!! In erlebnisreichen und landestypischen Zugfahrten mit Einheimischen auf Tuchfühlung gehen. Hach! Wie romantisch! Ruft euch das immer schön ins Gedächtnis… Dann verwandelt sich der Mief sicher sogleich in Veilchen-Duft… oder so ;o)

Zugfahren in Russland habe eine lange Tradition. Zugfahren in Russland sei ein einmaliges Erlebnis. So sagt man. Die lange Tradition mag wohl in den unvorstellbaren Distanzen begründet liegen.

Das macht man nicht mal eben mit dem Pony. Sofern man kein Mongole ist. Den Erlebnischarakter einer Zugfahrt in Russland wollten wir selbst einmal auf die Probe stellen. Zumindest einem ersten seriösen Test unterwerfen, um in etwa einschätzen zu können, was uns auf der transsibirischen Route bis in die Mongolei und dann nach China so alles erwartet. Allerdings fingen wir klein an. Mit einer ersten Trockenübung sozusagen.