Zugfahren in Russland – Diesmal aber richtig

Nachdem wir mit einer Aufwärmübung in überschaubarem Rahmen – und am Ergebnis gemessen doch halbwegs erfolgreich – unser Zugexperiment in Russland starteten, wollten wir es diesmal eine Nummer größer versuchen. Mit dem Nachtzug von St. Petersburg nach Moskau lautete die nächste Herausforderung, der wir uns stellen wollten.

Oder mussten. Nach den ersten Erfahrungen fühlten wir uns doch auf die wesentlichsten Schwierigkeiten vorbereitet. Was kann da jetzt noch groß passieren? Mit der entsprechenden Zuversicht gingen wir die Sache an. Doch sollte sich unsere Zuversicht als naive Träumerei herausstellen, denn mit dem Nahverkehrszug die Vororte abzuklappern ist eine Sache, überhaupt in einen Fernzug zu kommen eine ganz andere.

Fahrscheinkauf für Fortgeschrittene. Diesmal wollten wir es besser machen. Diesmal sollte alles klappen. Schließlich waren wir der Ansicht, aus unserem ersten Experiment die richtigen Lehren gezogen zu haben. Doch weitere sollten folgen… Lehre Nummer eins: Lasse Dich nicht von Schalterdamen beim Ticketkauf am Bahnhof verkaspern!

Also folgten wir den Gepflogenheiten des modernen Menschen und machten uns auf die Suche nach Fahrscheinen im Internet. E-Booking nennt man das wohl. Doch was sich nach zwei, drei Klicks anhört, sollte unser Nervenkostüm einer ersten Bewährungsprobe unterziehen. Wer heute etwas wie brigitte von schönfels stiefel im Internet sucht, nutzt zumeist das allwissende Google. Doch, so mussten wir nun herausfinden, Google ist bei Leibe nicht allwissend. Selbst diese Suchmaschine stößt beim Kyrillischen an ihre Grenzen.

Zumindest dann, wenn man der Sprache respektive Schrift selbst nicht mächtig ist. Wie soll man die Seite der russischen Bahngesellschaft finden, wenn man deren Namen nicht kennt? Wie soll man den Namen finden, wenn man die Google-Treffer nicht mal lesen kann? Ok, ich nehme alles zurück, entschuldige mich in aller Form bei Google und sehe den Fehler dann doch eher bei uns.

Nun gut, was enervierend klingt, war es auch. Aber es waren sicherlich keine unüberwindlichen Hürden. Allerdings zog jedes gelöste Problem zwei oder drei weitere nach sich. Schlussendlich fanden wir eine englischsprachige Seite, die im Vergleich zu vielen anderen wenigstens halbwegs seriös klang. Sie ermöglichte uns, die Auswahl des Zuges zu treffen und ein e-Ticket zu buchen. Der erste Schritt war damit gemeistert und zufrieden klopften wir uns gegenseitig auf die Schultern. Doch wollte das Ticket unserer Wahl natürlich auch noch bezahlt werden.