Fahrscheine Kaufen in Moskau

Und sobald es ans Eingemachte – sprich ans Geld – ging, lachte uns auf dem Bildschirm wieder die hässliche Fratze eines elektronischen, russischen Formulars an. Na spitze. Doch bei genauerem Hinsehen stellte sich auch dieses Problem als lösbar heraus. Es war bereits alles eingetragen und man musste seine Order nur noch bestätigen. So deuteten wir es zumindest. Was wir da alles mit einem Mausklick bestätigten, wissen wir aber bis heute nicht genau…

Ob den Verzicht auf unsere Bürgerrechte, die freiwillige Meldung zur Sklavenarbeit an einem ehrgeizigen Bahnprojekt im hintersten Sibirien oder eine zehnjährige Dienstzeit in der russischen Armee – wir werden es zu gegebener Zeit herausfinden. In jedem Fall war aber auch unser Zugticket dabei, wie uns eine Bestätigungsmail inklusive e-Ticket versicherte. Oder etwa nicht?

Gleich darauf informierte uns ein weiteres elektronisches Anschreiben über den Umstand, dass wir am jeweils gegenüber liegenden Ende des Großraum-Schlafwagens gebettet sein würden. Diese Tatsache erforderte eine weitere Bestätigung, man bot mit reitmayer janker damen uns aber zugleich die Alternative eines späteren Zuges mit benachbarten Betten an. Nein danke, antworteten wir, wir bleiben bei unserem Zug. Sich überhaupt auf diesen Schriftwechsel einzulassen, stellte sich als Fehler heraus: Postwendend erhielten wir eine Mail mit der höflichen Aufforderung, doch bitte den Differenzbetrag von 20 Euro für das neue Ticket zu überweisen. Aha, verstehe.

Da das alles kaum 24 Stunden vor der geplanten Abfahrt geschah, unser Hostel in St. Petersburg ausgebucht war und wir keine Lust auf eine Nacht auf dem Bahnsteig verspürten, genossen wir die gut acht Stunden Wartezeit bis zur nächsten Antwortmail nicht wirklich.

Doch das Warten lohnte sich, denn die Mail beinhaltete eine Entschuldigung für die Verwirrung und die Bestätigung, dass nun alles in Ordnung sei. Unser elektronisches Ticket sollte uns also ohne weitere Schwierigkeiten nach Moskau bringen. So kennen wir das von der Deutschen Bahn: Fahrschein ausdrucken, Schaffner stempeln lassen – das war’s.

Lehre Nummer zwei: Kontrolle ist gut, mehr Kontrollen sind besser! Lediglich unseren grundskeptischen Charakteren und den bisherigen Erfahrungen ist es zu verdanken, dass wir dem Versprechen von Unkompliziertheit eines russischen e-Tickets nicht recht glauben konnten und an der Rezeption unseres Hostels sicherheitshalber noch einmal nachfragten.