Übernachten im Moskauer Hostel

Es begab sich an einem Dienstag Abend, gegen sieben Uhr, im Moskauer Hostel. Wir saßen im Aufenthaltsraum und aßen Brot mit Fischkonserven, dazu ein wenig Obst und Tee. Auf einmal stand ein angetrunken wirkender Russe vor uns, nicht billig gekleidet, sympathisch wirkend, etwa Anfang Vierzig. Er redete mit uns, während er schwankte. Wir erklärten ihm, dass wir seiner Sprache nicht mächtig seien, da wechselte er auf gebrochenes Englisch und fragte uns, wo wir denn den Fisch her hätten.

Die Antwort, dass wir ihn im naheliegenden Supermarkt die xxx käuflich erstanden hätten, schien jedoch nicht die von ihm erhoffte zu sein. Er wechselte wieder auf Russisch, deutete auf die Hosteltheke, neben der wir saßen, die lediglich Schokoriegel anbot und zog murrend von dannen. Hätte sich dieser Mann später nicht als unser neuer Mitbewohner herausgestellt, die Geschichte wäre hiermit denkbar unspektakulär zu Ende gegangen. Lange bevor sie begann. Doch er war unser Mitbewohner. Die Geschichte ging weiter. Und wie.

Einige Stunden später, es war etwa elf Uhr nachts mit mandarina duck business trolley, verspürte ich den Drang, die sanitären Anlagen unserer Unterkunft aufzusuchen. Es stellte sich als recht beschwerlich heraus. Wir sind nun seit fünf Nächten in diesem Hostel und noch nie war hier so viel Betrieb. Ich zählte alleine drei Männer, die auf die Toilette des Aufenthaltsraums zu warten scheinen, denn sie liefen in relativ kleinen Kreisen sinnierend vor sich her. Also ging ich auf unser Zimmer. Doch das WC dort war auch besetzt.

Auf gewisse Weise. Besetzt ist nicht das richtige Wort. Belegt passt eher. Eingerollt wie ein Embryo lag dort ein Mann. Den Rücken zur Tür gewandt, die Füße hinter die Kloschüssel gedreht, den Kopf vor der Duschkabine auf die Hände gebettet. Schnarchend. Hin und wieder schmatzend. Mit heruntergelassenen Hosen in einer Pfütze liegend, die ich mir nicht genauer ansehen wollte.

Aus den deutlichen Abdrücken auf seinen Oberschenkeln schloss ich, dass er eine ganze Weile auf der Schüssel gesessen haben musste, bevor er es sich gemütlich gemacht hat. Und es dort, wo er sich nun befand, so lauschig war, dass er da gar nicht mehr weg wollte. Er war nicht zu aktivieren. Reden, anstupsen, nichts half.

Also was sollte ich tun? Der Regel „Eigenschutz vor Fremdnutz” folgend, kümmerte ich mich zuerst einmal um mich. Das Örtchen im Aufenthaltsraum war frei, so dass ich wenigstens dieses Problem erledigen konnte. Dass die drei Männer dort immer noch sinnierend herumliefen wunderte mich etwas, aber vielleicht warteten sie ja auf Jemanden. Auf wen, sollte ich wenig später herausfinden.